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Geschichte

Freiheitsdenkmal in Riga, Lettland

Freiheitsdenkmal in Riga, Lettland

Lettlands Besiedelungsgeschichte beginnt vermutlich im 3. Jahrtausend v. Chr., als finno-ugrische Stämme in das heutige lettische Gebiet einwandern. Etwa ab dem 9. Jahrhundert n. Chr. beginnt die Geschichte der Seefahrt, die alten baltischen Stämme (Kuren, Semgallen, Lettgallen, Selonen) waren schon immer stark mit dem Meer verbunden. Im Rigaer Geschichts- und Seefahrtsmuseum kann man ein Eichenholzschiff aus dem 12. Jahrhundert bestaunen, das in der Altstadt von Riga bei einer Ausgrabung entdeckt wurde.

Fremdherrschaften sind prägend für die lettische Geschichte: Polen, Deutsche, Litauer, Russen und Schweden haben abwechselnd Macht über das Territorium bzw. Teile des lettischen Gebietes erhalten. Eine Zeit, die in Lettland sehr deutliche Spuren hinterlassen hat, ist die Zeit der Christianisierung durch den Schwertbrüderorden bzw. den Deutschen Orden. Im 13. Jahrhundert ergreift der Schwertbrüderorden die Macht in großen Teilen Lettlands. Architektonische Zeitzeugen sind die viele Ordensburgen, teils nur noch als Ruinen erhalten, die sich im ganzen Land finden. Die baltischen Völker leisteten erbitterten Widerstand.

Die Herrschaft des Deutschen Ordens wurde beendet, als im 16. Jahrhundert Zar Iwan (der Schreckliche) einmarschierte. Auch Dänen, Schweden, Polen-Litauen kämpften um das lettische Gebiet. Der sogenannte Livländische Krieg wütete von 1558 bis 1561. Eine wechselvolle Geschichte, in der Lettland bzw. einzelne Provinzen Lettlands immer wieder von anderen Mächten beherrscht wurden.

Ab dem 18. Jahrhundert übernahm Russland immer mehr Macht über das lettische Gebiet. 1915 schritt die deutsche Armee ein und beanspruchte Livland für sich, 1917 wurde Riga erobert. Die darauf folgenden Unabhängigkeitsbestrebungen Lettlands 1918 wurden nicht lange toleriert, Sowjetrussland übernahm die Macht. Deutsche und Sowjets wechselten sich in der Herrschaft stetig ab, bis Lettland nach dem Zweiten Weltkrieg letztendlich unter der Einflussnahme der Sowjets stand. Es wurden Kolchosen gegründet, zigtausende Letten nach Sibirien deportiert und im Gegenzug Russen in Lettland angesiedelt – die Russifizierungspolitik wurde vorangetrieben.

Ab den 1980er-Jahren wurde die nationale lettische Identität wiederbelebt, es kam zu Unabhängigkeitsbestrebungen und dann zur „Singenden Revolution“. 1989 bildeten zwei Millionen Menschen eine Kette von Tallinn über Riga nach Vilnius und demonstrierten für die Unabhängigkeit der Baltischen Staaten. 1991 endlich erreicht Lettland seine Unabhängigkeit vom Sowjetreich und schreitet seitdem mit großen Schritten voran, orientiert in Richtung Westen: 2004 treten Lettland wie auch seine baltischen Nachbarn Estland und Litauen der Europäischen Union bei.