Riga

Schwarzhäupterhaus in Riga, Lettland

Schwarzhäupterhaus in Riga, Lettland

Riga ist politisch, wirtschaftlich und kulturell betrachtet unbestritten das Zentrum Lettlands und mit etwa 700.000 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt im Land und sogar im ganzen Baltikum. 1201 wurde Riga gegründet und durchlief eine wechselhafte, glanzvolle Geschichte: Eine bedeutende Handelsstadt, Mitglied der Hanse und zudem Streitobjekt zwischen Schweden, Russen, Deutschen und Polen. Seit 1997 zählt die Rigaer Innenstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Riga ist lebhaft, vielseitig und nebenbei noch hübsch anzusehen. Leicht kann man hier eine ganze Woche und mehr verbringen, ohne sich zu langweilen. Die Sehenswürdigkeiten reihen sich nur so aneinander. Das Schwedentor (Zvidru varti): Es ist das letzte der ehemals 25 Stadttore Rigas. Im 17. Jahrhundert wurde es gebaut und verbindet seither die Altstadt mit der Straße Torna iela. „Drei Brüder“ (Tris brali) wird ein Gebäude-Ensemble an der Maza pils iela genannt. Die Häuser sind „verwandt“ mit den drei Schwestern in Tallinn und entstanden zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert. Das mit der Hausnummer 17 soll das älteste Wohnhaus Rigas sein. Für den Dom, der verschiedene Baustile in sich vereinigt, wurde 1211 der Grundstein gelegt. Die riesige Orgel aus dem 19. Jahrhundert ist ebenso sehenswert wie der geschnitzte Orgelprospekt oder die verzierte Kanzel. Das Schloss von Riga (Riga pils) war über lange Zeit der Hauptsitz des Deutschen Ordens. Heute ist es die Residenz des lettischen Präsidenten. Besonders prachtvoll ist das Schwarzhäupterhaus (melngalvju nams): Barocke Zierelemente schmücken die gotischen Giebel aus Backstein. Ein wunderbarer Stilmix und Schmuckstück am Rathausplatz. Es war zu Zeiten der Hanse ein Versammlungsort unverheirateter Kaufleute. Das Gebäude ist allerdings ein Nachbau von 1999, da es durch den Zweiten Weltkrieg Schaden nahm und anschließend die Sowjets das ursprüngliche Gebäude sprengten.

Kommen wir zu den etwas jüngeren Bauwerken: Der Bauboom Anfang des 20. Jahrhunderts verschaffte Riga einen großflächig in Erscheinung tretenden Architekturstil, den Jugendstil. Prachtvolle Gebäude mit einer reichen Ornamentik, hübsch verzierte Fassaden, Erker und schmucke Fensterelemente prägen das Stadtbild. „Die Perle des Baltikums“ wird Riga deshalb auch gerne genannt. Etwa 800 Jugendstil-Gebäude kann der Besucher heute in der lettischen Hauptstadt bewundern. Die meisten davon befinden sich im Zentrum, im Botschaftsviertel und in der Alberta iela. Seit 2009 gibt es in Riga sogar ein Jugendstil-Museum. Es wurde in der ehemaligen Wohnung des Architekten Konstantins Peksens in der Alberta iela eingerichtet. Ein Spaziergang auf den Spuren der Jugendstil-Fassaden ist unbedingt empfehlenswert!

Interessant ist ein Besuch des Okkupationsmuseums, das direkt neben dem Schwarzhäupterhaus liegt. Das in den 1990er-Jahren gegründete Museum vermittelt einen Eindruck von der Besetzung Lettlands durch die Nationalsozialisten und die Sowjets. Wer sich für die Geschichte Lettlands interessiert, sollte einen Besuch unbedingt einplanen.

Die Markthallen Rigas werden gerne von Touristen besucht. Es ist interessant, zwischen den Ständen und in den Hallen zu flanieren, der Markt gehört zu den größten in Europa.

Aber neben der Erwähnung all der hübschen und interessanten Sehenswürdigkeiten sollte nicht verschwiegen werden, dass Riga auch ein anderes Gesicht hat: In den Außenbezirken mit ihren Plattenbauten, ein Erbe der sowjetischen Stadtplanung, leben viele Letten ein bescheidenes Leben. Auch das ist Riga. Vor allem die Wirtschaftskrise ab 2007 hat dem Land deutlich zugesetzt. Die Arbeitslosigkeit stieg stark an, die Wirtschaft brach mit am stärksten in der ganzen EU ein.

Städtereisen nach Riga werden von verschiedenen Veranstaltern angeboten. Der Baltikum-Spezialist Schnieder Reisen etwa hat eine dreitägige Wochenend-Reise im Programm.